Froschkönigin

Hast endlich mich
erlöst aus meinem Fluch,
mich beinhart
an die Wand gefickt
ins Bett genagelt
mir meine Froschhaut abgevögelt.

Bin endlich wieder Herrscherin
im eignen Körperkönigreich
nach jahrelangem Abtauchen
auf Gründe dunkler Brunnen
dort zu erfummeln
fremder Prinzen Goldeier.

Hab keine Angst, ich
beschmutze schon nicht
–  plitsch platsch –
deinen Hausstand.

Meine Zunge wird nicht an deiner kleben
mein Finger sich nicht festsaugen an dir
und keine Schwimmhäute spannen sich
zwischen den gespreizten Schenkeln.

Bin endlich wieder frei
zu kommen
und zu gehen wie ich will.

Heinrich, fahr den Wagen vor –
Wir ziehen aus,
Herzen zu sprengen!

 

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großmogul

 

ketten aus frauen flechten,
die um deinen hals sich hängen,
zur verschleierung
dass du noch nicht gefunden
deinen selbstinhalt

dazu zu dienen
bin ich mir zu schade
strahle an niemandes brusthaar
in niemandes gürtung
als niemandes kronjuwel

in meiner fassung
unter meinem schliff
hüte ich meine einschlüsse
und breche das licht
nach meinen facetten
werfe meine farben auf die welt
in buntheit sie zu kleiden
ehe in abertausend jahren
vielleicht blind ich werde

du jedoch
sollst mir gestohlen bleiben

 

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re: alität

re:
alität

die schotten dicht
mein brett vorm kopf
meine mauer vorm fenster
statt weit blick front
blanken nichts
fassade mit bröckelnden rissen
und bröselndem verputz
aufgetragen anzuprangern
wie standfest und lotrecht
das mauerwerk dahinter

das tote sichtfeld
geflissentlich belebt
mit efeubepflanz
und vögelgeflöt
und grillengezirp
sulend im satten abendrot
einer sonne
die lang schon
außer sichtweite rotiert

bricht wirklichkeit durch
zu starren
betongrau gefasste augen
müde stets aufs neue
solidität mir einzuprügeln
den ziegelstein in der hand
jeder aufprall
ein blutunterlauf mehr

nicht ihr vorzuwerfen
nur ich bins leid
dass meine sehnsucht
mich spaziernfotzt

in meinem rücken
die tür in den garten
steht offen seit jahren
doch ich hab augen nur gehabt

für dich

 

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druckmassage am offenen herzen

mit beiden händen
greifst du in mich
schiebst rippen
käfigstäbe auseinander
weitest den brustkorb
wühlst hinab
hältst mein pulsierend zentrum
bändernd adernd
fest im griff
durchpumpst
durch zuckung deiner fingerkuppen nur
solange mich mit leben bis
dein takt dein maß dein metrum
deutlich pochend spürbar
auch im entferntesten extrem

dann legst behutsam zärtlich fast
du meine innerei
in vorgeformter höhlen
angestammten platz zurück
am dem sie weiter vor sich hin sie tanzt
ziehst deine hand dein werkzeug
aus meiner körperöffnung ab
nähst zu mich kreuzstichweise
desinfizierst und reinigst noch die narbe
die äußerlich auf ewig offensichtbart
dass du da in mir drin gewesen
dass du da in mir drin verweilst
hoffst bloß – wie ich –
dass schadlos es verheilt

und übrig bleibt
ein schlagend herz
das weiß was ursprung
seines rhythmus

 

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gesamtkonzeption / q.e.d.

die koordinaten
deines umkreismittelpunktes
wohlproportioniert abgezirkelt

deine sockelbreite
verhältnismäßig
zur giebelhöhe

und auch die seitenlängen
kongruent zur
diagonalen und so

einzig
deine innenmaße
übersteigen
deine außendimensionen
um wellenlängen

quod erat demonstrandum

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