druckmassage am offenen herzen

mit beiden händen
greifst du in mich
schiebst rippen
käfigstäbe auseinander
weitest den brustkorb
wühlst hinab
hältst mein pulsierend zentrum
bändernd adernd
fest im griff
durchpumpst
durch zuckung deiner fingerkuppen nur
solange mich mit leben bis
dein takt dein maß dein metrum
deutlich pochend spürbar
auch im entferntesten extrem

dann legst behutsam zärtlich fast
du meine innerei
in vorgeformter höhlen
angestammten platz zurück
am dem sie weiter vor sich hin sie tanzt
ziehst deine hand dein werkzeug
aus meiner körperöffnung ab
nähst zu mich kreuzstichweise
desinfizierst und reinigst noch die narbe
die äußerlich auf ewig offensichtbart
dass du da in mir drin gewesen
dass du da in mir drin verweilst
hoffst bloß – wie ich –
dass schadlos es verheilt

und übrig bleibt
ein schlagend herz
das weiß was ursprung
seines rhythmus

 

© http://www.kommvorzone.com

gesamtkonzeption / q.e.d.

die koordinaten
deines umkreismittelpunktes
wohlproportioniert abgezirkelt

deine sockelbreite
verhältnismäßig
zur giebelhöhe

und auch die seitenlängen
kongruent zur
diagonalen und so

einzig
deine innenmaße
übersteigen
deine außendimensionen
um wellenlängen

quod erat demonstrandum

© http://www.kommvorzone.com

not you, but me (alias: nautik)

„mich spült es immer wieder hin zu dir“
sagst du, kippst den nächsten schluck bier
und versenkst dich in meine augen

nicht du, doch ich
brande an dein gestade
schlag schaumkronig mich wund an deinen klippen
zu glauben
dass wir aneinander anlegen uns könnten
zwischen uns landungsstege bauen
mitten im höchststand der gezeiten

„wenn’s sein soll, soll es sein“
hätt beinah ich entgegnet
hätte nicht plötzlich die blondine durch uns durch
mitten durch den gesetzten kurs gekreuzt
wärst du nicht
mitten in ihrem dekolleté gestrandet

„such ankerplatz doch dort“
fließt also über meine lippen
lös mich aus deiner untiefe
wende, steuere richtung bar
die strömung reißt mich mit
und eh ich mich verseh, umwogt mich menschenmeer

bin ich soeben
schiffbrüchig geworden
oder einfach
gut gekentert?

©http://www.kommvorzone.com 

heroin, she said

(Dieser Text entstand im Rahmen der Schreibgruppe „Die Dienstagsschreiber“ im Wiener read!!ingroom, impulsgebend der Songtitel „heroin, she said“ von Wolfsheim.)

heroin, she said,
my heroine

du bist, sagt sie, die droge, die
die aderlos in mir pulsiert
mich durchzieht, ohne blutbahn, ohne tunnel,
pupille, die geweitet nach dem schuss, jedoch nur sieht
was sie sich selbst hat auferlegt, sich projiziert,
auf sich wirft, vorwirft
ohne einhalt ohne halt und ohne  —

hunger, tiefer hunger, durst, und lust
verlangen, tiefe sehnsucht, leer, ein loch
gefüllt mit nichts, schwarzer vergängnis,
ein jenseits ohne seitenwechsel, ohne pannenstreifen, ohne  —

mich stechen, stecken dich, dich tief verstecken unter meiner haut,
in mir drin, in dir drin zartgeschmolznes gold,
mit dir zu füllen meine leere, meine sehnsucht, mein ge-such
kann jederzeit damit aufhören, kann stoppen, kann es finden, kann
aufhören damit, kann jederzeit, ich kann jederzeit, jederzeit kann ich

dabei, sagt sie, möchte ich doch nur schlafen, schlafen, sleep somehow
die augen schließen, doch durch die lider dringt das licht,
bringt wieder sie zum aufgehn, öffnen, durchlässig, wie haut so blass,
der schicht, unter der die adern leicht erheben sich, ader-
lass gut sein, lass nur gut sein, arm,
abgebunden, abgenabelt, abgekehrt hab ich mich, hast du dich, hat sie sich, diese welt

abgebunden auf der suche,
nach dem blau der venen, blau der streifen,
doch das UV, das Licht, macht suchen zwecklos, findet nicht
den weg, passagen in sich selbst,
und weiter pumpt die sehnsucht durch den körper.

weiß niemand, frage ich, deiner sippe, deiner gruppe, deiner leute
dass du verlassen hast sie in der sucht nach dir,
im ständigem verlangen nach der lösung, nach auflösung
in der stimmung, dort und hier, im jetzt, im nirgendwo, im überall
weiß niemand, was dir fehlt, dir hilft, dich bindet?
was du brauchst?

heroin she said,
just heroin

© http://www.kommvorzone.com