baseline

brichst in mich ein
durch meine hintertüren
stößt in mich vor
weiter als all die andren
nach dir
hat es keinen mehr gegeben
wie es vor dir
nie jemanden jemals geben wird.

dein erster kuss
auf meine stirnmitte
hat damals mir zu sehen gezeigt
hat damals mir frontallappen geöffnet
und zirbeldrüsen ausseziert
als lägen sie dir bar.

in wahrheit gehören wir zusammen
seit immer schon
und die erinnerung daran zieht sich
über körperliche dehnungsfugen
psychischen erfahrungszonen
und mentale fasslichkeiten
weit hinaus

was haben wir
einander ruiniert?

wie werden wir,
wenn wir uns alles schon gegeben?

wo sind wir,
wenn wir uns ineinander enden?

 

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flugrost

ich werde nicht
den mond anbeten
ich werde nicht zur
verfügung stehen dir
ich werde nicht flugrost ansetzen
mich überhauchend patina
wie ein entstaubtes elend
aus vergangner zeit

ich werde nicht
die tage zählen
die stätten stürmen
die wir gemeinsam ergingen
uns erfuhren in der
kleinstadt einer
landflucht

ich werde nicht die zeiten zähmen
nicht des uhrturms
schatten werfen
werd nicht dich fehlen lassen mir

werd links und rechts
dich liegen lassen
du bordsteinschwalbe
wegwarten beifußblatt
in meines grünen lebens tee

mit schwarz und weißem kraut
werd ansetzen ich mich
zu durchstehen unsren warteraum
zu anbeten das gewichtsmaß einer weile

und schließlich ziehen lassen dich.

 

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nägel und köpfe

will dich als trophäe nageln
nicht an die wand
und nicht auf holz
und nicht mit harten hämmern
will klopfen dir an des verstandes
grenze
zeigen, was wichtig ist,
dem spiel in dir
zu frönen
skrupellos

will dich verführen
in fremder wohnung betten
dich plazieren
dich servieren
auf messers schneide
dich anbinden
an sessel lehnen
an türblätter ketten
einer neuerrungenschaft

machst angst mir
dass ich dich in wahrheit
gar nicht kenne
deine lust nicht weiß
zu fesseln
nur zu entfachen
deiner phantasie bilder
und du
hast interesse
lang verloren schon an mir
nie gehabt
suchst leichte mädchen
nebenan
die dir wünsche ablesen
für nette halbe stunden
ohne viel zutun und trara

was reizt mich so an dir?
die jagd
das spiel
die pirsch, das über-winden
deiner grenzen,
ohne dass du je befähigt wärst
sie selbst zu erkennen
schleich ich mich an
er lege dich
und zieh den kopf dir ab
als souvenir
des eignen eigensinns.

 

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ma/r/terial

und irgendwann checkst du
tinder ist auch nur ein dorf
und du bist geschöpf
deiner großmutter bauch
und die welt um dich
erbt generationen
von weisheit weit von dir gewiesen
während du dich und deiner
in zellklumpen fühlst
wie ein gott

der du bist – zweifellos –
sind wir geister
in materialform

doch das rück grat
momentan
bahnt scheiben,
disloziert zwischen wirbeln,
eiernd,
un rund
dreht unsre welt sich
(gekürzt um di/mens/ionen)
als plateau
und paradeplatz
primär um
dickpics.

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geburt

die enge des kanals
der weite folgt
des schwimmens
bar jeglicher nacktheit
in wasser gehüllt
plötzlich ein wehen
zieht presst drängt
aus einer mutter.becken

nur durch geburt
wird man so fremd
im eignen land

wird kalt, kahl, künstlich
der natürlichkeit ent.ronnen
bleibt ewig auf der suche
nach warmfeuchtem puls
rotschlierigem belicht
und wässrigem geschmack
zwischen den lidern

der lunge entfaltung
mündert doch nur
im ersten schrei

die kälte eines diesseits
lässt zittern uns vorm sterben
weil einmal schon der transfer
gelähmt ent.setzt uns hat
so ent.raum.atisieren wir
von ende bis anfang
genährt von der erinnerung
an liebe irgendwo

doch wirklichkeit macht meist
nur einen spalt
die beine breit

 

Dieser Beitrag entstand ausgehend von dem Impulswort „Anfang“ im Rahmen des projekt*.txt. Mit lieben Grüßen! 😉

 
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Ikaria

mein herz bunziert
mein hirn versiegelt
mein körper verlötet
durch wachs und kolben
deiner animafaktur

hast schwingen mir und federn
aufgepfropft
nun lass uns abheben
uns uns selber überraschen
den morgen uns erröten lassen

lass uns uns alles geben, was
dem andern immer schon gehörte:
luft, freiheit,
unser ich

so standst du vor mir
im wogen eines leibermeers
hab dich gefischt, gezogen
an meines landes küste
du bist der lohn der mühen
eines täglich selbsts

komm, lass uns fliegen
der sonne viel zu nahe
die unser flügelwachs
nicht schmilzt zu dunklen tropfen
die unser federkleid
nicht reißt aus
haut und bett und bindung
die unsren aufstieg nicht
beschweren wird wie blei
sondern ihr leuchten
in dein auge legt
während du unter mir
in bodenloses fallen sinkst
bevor sanftweiße wellenkronen
auf dich prallen und dich
weiterziehn in fremdes, unbenanntes land

ich bleib indes zurück am himmel
stets dich suchend
hier.

 

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