irrlichter

wir kleine lichtkegel
gegen die großen straßenlaternen
die des nachts die wege erhellen
und in der ferne
knallen feuerwerkskörper
gegen die sterne
dort oben

wir zittrige glühfäden
gegen das röhren der leuchtstoffleisten
treffen einen nachbarsschatten
nach spektralfarbenanalyse
wabert er zähflüssig (und laut schimpfend)
außer hörweite

du sparflamme
kannst nichts sehen
bist geblendet vom handydisplay

und in der ferne
überschüttet die flutlichtanlage
mich mit vorwürfen

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absatzmarkt

hab mir blasen gelaufen
beim majestätsstechschritt üben
(Mehr Hüfte, Baby, Hüfte!!)

ich könnte jetzt
über high heels
als sockel des machismus
diskutieren
oder darüber
dass man zu mir aufschauen kann
auch wenn ich
flache schuhe trage

fakt ist: fickt euch!
ich ergeh mir
meine welt
in sneakers.

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sakrosankt

steh auf er ich
und halt nicht fest
den heiligen im licht
des ostermorgens

wasche meine füße
nicht in reue
mein haupt
nicht in asche
meine hände
nicht in unschuld

die krone deiner schöpfung
treibt dornen in mein fleisch

sei hier
und nagle mich an kreuze
um immerzu
mich anzubeten

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Appell

Lasst den Kindern ihre Kindheit
retourniert ihr Recht auf Spiel
denn sie lernen für die Zukunft
später auch noch ihr Kalkül.

Schickt sie raus, ein Baumhaus bauen,
in den Wald, den Park, ein Feld,
was man braucht in spät’ren Tagen
lernt man in der freien Welt.

Sehen ohnehin zu früh noch
Krieg und Leid und Not und Weh,
werden selbst zu Todesbringern
auf Konsole und PC.

Was ihr nehmt, kann keiner geben,
Kindheit ist ein kostbar Gut,
denn hier lernt man wahre Stärke,
Trauer, Hoffnung, Sehnsucht, Mut.

Was Erwachsenwerden ausmacht,
ist ein Alterungsprozess,
bei dem Reife miteinhergeht
rein schon erfahrungsmäß.

Später fällt schwer zu verkraften
Verantwortung und Schamgefühl,
also lasst die Kinder Kind sein,
dann wird Leben wieder Spiel.

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