umbruch

wann bist das letzte mal du kopf gestanden?
hast deinen lebensbaum gepurzelt?
wurdest zum radritter du geschlagen,
der schwindelförmig sich im kreis rotiert?

wann hast das letzte mal du luft geblasen
per strohhalm mitten in den eiskaffe?
hast zwischen zehen erde du geschichtet?
bist wasser gerutscht, mutig den kopf voran?

wann bist das letzte mal du regenschirm gesprungen?
hast bunt die herbstblätter zerwerkt?
wann hast das letzte mal du schnee gekugelt?
und winterweiß die engerlschar beschwingt?

wann, glaubst du, kehren diese dinge wieder
wenn du nicht selbst die sanduhr kippst?
der tod legt keine sense nieder
und wartet, bis du fertig wippst.

 

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alles eins

seifenblasenschliere
regenbogenfarben

warum zieht an uns
immer nur das außen?

steige kometengleich
bis an den himmelsrand

warum zieht in uns
immer nur, was trennt?

hol, kugel, dir
freiheit, höhe

warum ziehen vor wir
grenzen, fluren, wege?

bevor zerfetzt
durch eine prise wind

ohne zu sehn, dass
innen wie außen ident

 

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undicht/entmisch

welch strömung treibt uns
auseinander?

wir müssen achten,
dass wir nicht zerschwappt,
zergießen und zerlaufen uns
in der gezeiten drift

wir müssen unsren sog
mit füßen treten
müssen rühren, binden,
lösen ineinander uns
dass niemand kann entmischen
was wir uns lang zuvor vermengt

wir müssen wehren
dass kraftwerke
nicht strom erzeugen gegen uns
wir müssen schwimmen, wogen
stets oberwasser bleiben
müssen schwimmen, kämpfen
müssen kämpfen
müssen

und niemand kann
unsre see ausmachen
das meer
in dem
wir bluten

 

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