radikal subjektiv

Dieser Text entstand im Zuge des #frapalymo Nr 2. auf das Impulswort „Gespinst“. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Paulchen für diese grenzgenialen Inputs!

 

Was wäre, wenn die Fliege …

… tief in der Spinne Netz geschmiegt
das Glitzern des Gespinsts um sie
nichts anders als bestaunt,

… die Zärtlichkeit der Schlingen
die Seidenheit des Stoffes
nichts anders als berühmt,

… voll Ehrfurcht und vor Wolllust
dies filigran Gewebe
enger sich selbst um legt,
näher sich selbst an zieht,
sich somit dem Schicksal
selbst zu fügt?

Was wäre, wenn der Fliege
das Flechtwerk ihrer Falle
nicht Sarg, sondern Gewandung,
nur Decke, Schutz und Mantel –
Kokon – schlussendlich ist

für die eine Metamorphose mehr?

 

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niederkommen

ich zähle
die regentropfen an den zweigen
sie zeigen auf
den weg hinab

ich lese
die blattgerippe an den ästen
sie weisen unter
und uns hinüber

ich deute
die spiegelseen auf dem boden
sie legen offen
was über all:

im nebelgrauen decrescendo
sinkt zu und unter erde
unser hier und nun.
um vor dem wiederauftun
vor dem wiedergrünen
vor dem wiederkommen
zu ruhn.

 

#frapalymo

#frapalymo Nr1

 

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glücksmoment I

am asphalt
den gleichklang von schritten
die seite des andren an deiner
spüren

im gespräch
die wellen des andren spiegeln
nase an nase ins geteilte geheimnis
tauchen

sich zwischen grashalm und kälte
unter die nebeldecke
des gnadenlos sanften herbsts
kuscheln

oder am himmel
den nahen abend verlachend
mit rabenschwingen die rosablautöne
auftragen

im licht von millionen sternen
sich des nachts
gewärmt nur vom blech der motorhaube
sonnen

eine sternschnuppe sehen
gleißend zu boden gehen
dir einen wunsch freistellend
doch du
weißt keinen mehr

 

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monochromregenbogen

lass gehen uns gemeinsam
über das firmament des nachts
lass pflücken uns sterne
zu einem bunten strauß
vom milchstraßenrand

und im dunkel des mondlichts
lass uns uns drehen
bis uns schwindelt
vor unendlichkeit

lass streuen uns
Weiterlesen „monochromregenbogen“

wolllust

wissbegier
und spürbegier
und riechbegier
und fühlbegier
und schmeckbegier
und hörbegier

atmen

und neckbegier
und leckbegier
und kämmbegier
und beißbegier
und saugbegier
und regungsbegier
und ruhebegier

atmen

schoßbegier
und stoßbegier
und kreisbegier
und krallbegier
und lautbegier
und hauchbegier
und fallbegier
und haltbegier

atmen

und besitzbegier
und begreifbegier
und eroberungsbegier
und ergebungsbegier
und eindrangsbegier
und aufnehmbegier
und vertrauensbegier
und vereinungsbegier
und duundichundwirbegier
und ja
unendlich ja
und ja

 

du kannst aber auch wolllust dazu sagen.

 

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there’s a path through the woods only you know

grüner boden, für dich bereitet
schatten dringt ins licht
freiraum mäandert
zwischen bohlen und brettern und stämmen
die sicht aufs ziel
versteckt im unterholz
dein weg
ins ungewisse leitend
und jeder seiner luftkammern
lädt aufzuatmen
himmelwärts strömend
kopfwege frei
harzdurft gewürzt
moos überbewuchert
fern und nah
ein amselruf
sonst nichts

wer ist mit mir?

 

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wut macht ängste

ich hätte über die zeit
um ernstgenommen zu werden
einen schwanz mir wachsen lassen müssen

ich hätte über die zeit
um respektiert zu werden
meine fähigkeit zu gebären ablegen müssen

ich hätte über die zeit
um wertgeschätzt zu werden
den schulterschluss eurer bruderschaft üben müssen

aber dann hätt ich auch
eure kleinkariertheit imitieren
eure machtgeilheit übernehmen
und mir eure angst vor veränderung aneignen müssen

und damit
geht ihr mir
gehörig auf die eier

 

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liebhaber_in

ich wäre gut

zu riechen
zu schmecken
zu kosten
zu lecken
ich wäre gut
im bett
in flächen
und oberhalb

und ich wäre gut
dich anzuschärfen
spitz zu treiben
hochzurichten
deine latten
zu beständern
ich wäre gut
in tiefland
einzudringen

ich wäre gut, ich weiß,
eine perfekte liebhaberin
bei allen sinnen
die mir nach dir stehen

wäre ich gut darin
dich lieb zu haben

 

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unter meinen füßen fels
mich umgürtend geäst
vorantreibend
wachse ich wurzeln
in den humus der
mein geschlecht ernährt

folge kondensstreifen am himmel
ekliptik einer sonne strahl
gleite als spinnwebe durchs gehölz
hab das beste bett gefunden
wenn einst ein welkes eichenblatt
mich unter sich begräbt

moos im haar
so wache ich
mein leben
währt ewig

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