baseline

brichst in mich ein
durch meine hintertüren
stößt in mich vor
weiter als all die andren
nach dir
hat es keinen mehr gegeben
wie es vor dir
nie jemanden jemals geben wird.

dein erster kuss
auf meine stirnmitte
hat damals mir zu sehen gezeigt
hat damals mir frontallappen geöffnet
und zirbeldrüsen ausseziert
als lägen sie dir bar.

in wahrheit gehören wir zusammen
seit immer schon
und die erinnerung daran zieht sich
über körperliche dehnungsfugen
psychischen erfahrungszonen
und mentale fasslichkeiten
weit hinaus

was haben wir
einander ruiniert?

wie werden wir,
wenn wir uns alles schon gegeben?

wo sind wir,
wenn wir uns ineinander enden?

 

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flugrost

ich werde nicht
den mond anbeten
ich werde nicht zur
verfügung stehen dir
ich werde nicht flugrost ansetzen
mich überhauchend patina
wie ein entstaubtes elend
aus vergangner zeit

ich werde nicht
die tage zählen
die stätten stürmen
die wir gemeinsam ergingen
uns erfuhren in der
kleinstadt einer
landflucht

ich werde nicht die zeiten zähmen
nicht des uhrturms
schatten werfen
werd nicht dich fehlen lassen mir

werd links und rechts
dich liegen lassen
du bordsteinschwalbe
wegwarten beifußblatt
in meines grünen lebens tee

mit schwarz und weißem kraut
werd ansetzen ich mich
zu durchstehen unsren warteraum
zu anbeten das gewichtsmaß einer weile

und schließlich ziehen lassen dich.

 

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ma/r/terial

und irgendwann checkst du
tinder ist auch nur ein dorf
und du bist geschöpf
deiner großmutter bauch
und die welt um dich
erbt generationen
von weisheit weit von dir gewiesen
während du dich und deiner
in zellklumpen fühlst
wie ein gott

der du bist – zweifellos –
sind wir geister
in materialform

doch das rück grat
momentan
bahnt scheiben,
disloziert zwischen wirbeln,
eiernd,
un rund
dreht unsre welt sich
(gekürzt um di/mens/ionen)
als plateau
und paradeplatz
primär um
dickpics.

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geburt

die enge des kanals
der weite folgt
des schwimmens
bar jeglicher nacktheit
in wasser gehüllt
plötzlich ein wehen
zieht presst drängt
aus einer mutter.becken

nur durch geburt
wird man so fremd
im eignen land

wird kalt, kahl, künstlich
der natürlichkeit ent.ronnen
bleibt ewig auf der suche
nach warmfeuchtem puls
rotschlierigem belicht
und wässrigem geschmack
zwischen den lidern

der lunge entfaltung
mündert doch nur
im ersten schrei

die kälte eines diesseits
lässt zittern uns vorm sterben
weil einmal schon der transfer
gelähmt ent.setzt uns hat
so ent.raum.atisieren wir
von ende bis anfang
genährt von der erinnerung
an liebe irgendwo

doch wirklichkeit macht meist
nur einen spalt
die beine breit

 

Dieser Beitrag entstand ausgehend von dem Impulswort „Anfang“ im Rahmen des projekt*.txt. Mit lieben Grüßen! 😉

 
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umbruch

wann bist das letzte mal du kopf gestanden?
hast deinen lebensbaum gepurzelt?
wurdest zum radritter du geschlagen,
der schwindelförmig sich im kreis rotiert?

wann hast das letzte mal du luft geblasen
per strohhalm mitten in den eiskaffe?
hast zwischen zehen erde du geschichtet?
bist wasser gerutscht, mutig den kopf voran?

wann bist das letzte mal du regenschirm gesprungen?
hast bunt die herbstblätter zerwerkt?
wann hast das letzte mal du schnee gekugelt?
und winterweiß die engerlschar beschwingt?

wann, glaubst du, kehren diese dinge wieder
wenn du nicht selbst die sanduhr kippst?
der tod legt keine sense nieder
und wartet, bis du fertig wippst.

 

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undicht/entmisch

welch strömung treibt uns
auseinander?

wir müssen achten,
dass wir nicht zerschwappt,
zergießen und zerlaufen uns
in der gezeiten drift

wir müssen unsren sog
mit füßen treten
müssen rühren, binden,
lösen ineinander uns
dass niemand kann entmischen
was wir uns lang zuvor vermengt

wir müssen wehren
dass kraftwerke
nicht strom erzeugen gegen uns
wir müssen schwimmen, wogen
stets oberwasser bleiben
müssen schwimmen, kämpfen
müssen kämpfen
müssen

und niemand kann
unsre see ausmachen
das meer
in dem
wir bluten

 

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hinterwald

gegen süden ziehen
unsre gedanken
die weite suchen wir
in der entflucht
aus kälte und nässe
dieses wintertums

halt die ohren steif
sagt sie und niest
in ihr rotzkaltes nebeltuch

 

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#frapalymo Nr. 6, mal wieder etwas verspätet. Nichtsdestotrotz: Dank der Impulsgeberin! Heute übrigens zum Tweet: „herbstlicht auf den dächern / schatten werden länger / in der brust vogelschwärme*“

 

 

radikal subjektiv

Dieser Text entstand im Zuge des #frapalymo Nr 2. auf das Impulswort „Gespinst“. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Paulchen für diese grenzgenialen Inputs!

 

Was wäre, wenn die Fliege …

… tief in der Spinne Netz geschmiegt
das Glitzern des Gespinsts um sie
nichts anders als bestaunt,

… die Zärtlichkeit der Schlingen
die Seidenheit des Stoffes
nichts anders als berühmt,

… voll Ehrfurcht und vor Wolllust
dies filigran Gewebe
enger sich selbst um legt,
näher sich selbst an zieht,
sich somit dem Schicksal
selbst zu fügt?

Was wäre, wenn der Fliege
das Flechtwerk ihrer Falle
nicht Sarg, sondern Gewandung,
nur Decke, Schutz und Mantel –
Kokon – schlussendlich ist

für die eine Metamorphose mehr?

 

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glücksmoment I

am asphalt
den gleichklang von schritten
die seite des andren an deiner
spüren

im gespräch
die wellen des andren spiegeln
nase an nase ins geteilte geheimnis
tauchen

sich zwischen grashalm und kälte
unter die nebeldecke
des gnadenlos sanften herbsts
kuscheln

oder am himmel
den nahen abend verlachend
mit rabenschwingen die rosablautöne
auftragen

im licht von millionen sternen
sich des nachts
gewärmt nur vom blech der motorhaube
sonnen

eine sternschnuppe sehen
gleißend zu boden gehen
dir einen wunsch freistellend
doch du
weißt keinen mehr

 

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monochromregenbogen

lass gehen uns gemeinsam
über das firmament des nachts
lass pflücken uns sterne
zu einem bunten strauß
vom milchstraßenrand

und im dunkel des mondlichts
lass uns uns drehen
bis uns schwindelt
vor unendlichkeit

lass streuen uns
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