Froschkönigin

Hast endlich mich
erlöst aus meinem Fluch,
mich beinhart
an die Wand gefickt
ins Bett genagelt
mir meine Froschhaut abgevögelt.

Bin endlich wieder Herrscherin
im eignen Körperkönigreich
nach jahrelangem Abtauchen
auf Gründe dunkler Brunnen
dort zu erfummeln
fremder Prinzen Goldeier.

Hab keine Angst, ich
beschmutze schon nicht
–  plitsch platsch –
deinen Hausstand.

Meine Zunge wird nicht an deiner kleben
mein Finger sich nicht festsaugen an dir
und keine Schwimmhäute spannen sich
zwischen den gespreizten Schenkeln.

Bin endlich wieder frei
zu kommen
und zu gehen wie ich will.

Heinrich, fahr den Wagen vor –
Wir ziehen aus,
Herzen zu sprengen!

 

© http://www.kommvorzone.com

druckmassage am offenen herzen

mit beiden händen
greifst du in mich
schiebst rippen
käfigstäbe auseinander
weitest den brustkorb
wühlst hinab
hältst mein pulsierend zentrum
bändernd adernd
fest im griff
durchpumpst
durch zuckung deiner fingerkuppen nur
solange mich mit leben bis
dein takt dein maß dein metrum
deutlich pochend spürbar
auch im entferntesten extrem

dann legst behutsam zärtlich fast
du meine innerei
in vorgeformter höhlen
angestammten platz zurück
am dem sie weiter vor sich hin sie tanzt
ziehst deine hand dein werkzeug
aus meiner körperöffnung ab
nähst zu mich kreuzstichweise
desinfizierst und reinigst noch die narbe
die äußerlich auf ewig offensichtbart
dass du da in mir drin gewesen
dass du da in mir drin verweilst
hoffst bloß – wie ich –
dass schadlos es verheilt

und übrig bleibt
ein schlagend herz
das weiß was ursprung
seines rhythmus

 

© http://www.kommvorzone.com

verliebt ins verleben

haben das
haltbarkeitsdatum überschritten
fall um fall
und
fällig sind wir

bist näher als regen gerückt
auf meiner haut
bist tropfnass verdampft
in meinen adern
hast die nacht aufgetaut
aufgestaut aufgebaut
tief in mir drin

werd dich mir entwöhnen
dich mir entziehen
uns entflechten
uns entlieben
und anderweitig vergeben
mich

 

© http://www.kommvorzone.com

deeskalieren

komm einfach mal zur türe rein
[bad küche zimmer klo
bett couch tisch sessel lampe]
man kann so leicht sich eine heimat bauen
sobald den fuß man aus dem türspalt klemmt
ihn über eine türschwelle zu tragen

komm einfach mal zum fenster rein
zu giebel dachfirst fundament
sedimentier und diffundiere durch die wände
durch enden die doch du dir selbst nur setzt

lass los das treppenhaus samt handlauf
der stufen, die seit jahren dir skaliern
wo gut und böse himmel hölle oben unten
komm nicht darüber
nicht darunter
komm zu dir

die weite welt hat ebenen genug

 

© http://www.kommvorzone.com

 

innehalt

heut schon die abendluft gesogen,
tief in deine nüstern?
heut schon die mondsichel gebogen?
horch, hörst du sie flüstern?

heut schon den wind still gehaucht,
behutsam und leise?
heut schon ins abendrot getaucht,
vollkommenerweise?

heut schon den neuanfang geschmeckt
in den farben des morgens?
die tafel der sehnsucht ist gedeckt,
darfst gestern entsorgen.

entfalte die schwingen, seele, komm,
entstaub dein gefieder,
zu fliegen – die zeit dazu, sie kommt,
sie kehrt endlich wieder!

 

© http://www.kommvorzone.com 

über leben

in wucherungen
wenn der platz nach außen fehlt
überleben wir uns
die grenzposten der eignen dimension erreicht
beginnt das innerliche überwachsen
mit der zeit

selbst krebs is körpereigen fleisch
und blut und zellsubstanz des eignen organismus‘
doch wir falln in uns ein
wie todfeindliches gebiet
gestalten nach und nach
zu fremdkörpern uns aus

gestatten, welt
lern kennen, was mich aus macht
erforsche meine tiefen
will weniger oft mehr
dies ist meine hand
willst du sie schütteln
dies ist mein herz
willst du es schlagen
hören und sehen
bis es vergeht

gibt es hernach denn
doch
ein über leben?

© http://www.kommvorzone.com

lernpensum

in aller offenheit
unverschleiert
unverhohlen
zu sagen
mein wille

in aller ehrlichkeit
unverhalten
unverletzt
zu klären
mein bedürfnis

in aller direktheit
unumschnörkselt
unerwartet
zu fordern
meine grenze

in aller neugier
unvermittelt
unbekannt
zu fragen
mein forschen

in aller leidenschaft
ungebremst
unbestreitbar
zu erfühlen
mein sinn

in aller liebe
unbezwingbar
unendlich
zu leben
mein hier und jetzt

© http://www.kommvorzone.com

schwimmstunde

ich kraule gleichschlägig in deinem becken
du köpfelst mundüber in mein bassin
ich hechte in deinen lagenwechsel
du tauchst in meine bahn
ich schlage an
du wogst hoch
ich bugwelle
du spritzwasser
ich ströme
du stöhnst

dann sinken wir gemeinsam

© http://www.kommvorzone.com