umbruch

wann bist das letzte mal du kopf gestanden?
hast deinen lebensbaum gepurzelt?
wurdest zum radritter du geschlagen,
der schwindelförmig sich im kreis rotiert?

wann hast das letzte mal du luft geblasen
per strohhalm mitten in den eiskaffe?
hast zwischen zehen erde du geschichtet?
bist wasser gerutscht, mutig den kopf voran?

wann bist das letzte mal du regenschirm gesprungen?
hast bunt die herbstblätter zerwerkt?
wann hast das letzte mal du schnee gekugelt?
und winterweiß die engerlschar beschwingt?

wann, glaubst du, kehren diese dinge wieder
wenn du nicht selbst die sanduhr kippst?
der tod legt keine sense nieder
und wartet, bis du fertig wippst.

 

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alles eins

seifenblasenschliere
regenbogenfarben

warum zieht an uns
immer nur das außen?

steige kometengleich
bis an den himmelsrand

warum zieht in uns
immer nur, was trennt?

hol, kugel, dir
freiheit, höhe

warum ziehen vor wir
grenzen, fluren, wege?

bevor zerfetzt
durch eine prise wind

ohne zu sehn, dass
innen wie außen ident

 

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hinterwald

gegen süden ziehen
unsre gedanken
die weite suchen wir
in der entflucht
aus kälte und nässe
dieses wintertums

halt die ohren steif
sagt sie und niest
in ihr rotzkaltes nebeltuch

 

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#frapalymo Nr. 6, mal wieder etwas verspätet. Nichtsdestotrotz: Dank der Impulsgeberin! Heute übrigens zum Tweet: „herbstlicht auf den dächern / schatten werden länger / in der brust vogelschwärme*“

 

 

durchdrungen

sturm beschworen
front geklärt
fahne gehisst
grenze gesteckt

kraft isoliert
gewalt getrennt
macht gespalten
ende gesetzt

kern erforscht
kante geschlagen
kontur geformt
wellen getürmt

sie brechen am strand
während der wind
weiter treibt

 

Input: #frapalymo Nr. 6 – Ein Bild diesmal 🙂

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gesichterung

umgebschaft
vergangenung
erkenntheit
möglichnis
freundsal
schickkeit

erkenntkeit
vergangenschaft
möglichheit
freundnis
umgebsal
schickung

umgebung
freundschaft
erkenntnis
vergangenheit
möglichkeit
schicksal

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Mein #frapalymo Nr 4 auf das Impulswort „Substantiv“. Herzlichen Dank, Frau Paulchen!

radikal subjektiv

Dieser Text entstand im Zuge des #frapalymo Nr 2. auf das Impulswort „Gespinst“. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Paulchen für diese grenzgenialen Inputs!

 

Was wäre, wenn die Fliege …

… tief in der Spinne Netz geschmiegt
das Glitzern des Gespinsts um sie
nichts anders als bestaunt,

… die Zärtlichkeit der Schlingen
die Seidenheit des Stoffes
nichts anders als berühmt,

… voll Ehrfurcht und vor Wolllust
dies filigran Gewebe
enger sich selbst um legt,
näher sich selbst an zieht,
sich somit dem Schicksal
selbst zu fügt?

Was wäre, wenn der Fliege
das Flechtwerk ihrer Falle
nicht Sarg, sondern Gewandung,
nur Decke, Schutz und Mantel –
Kokon – schlussendlich ist

für die eine Metamorphose mehr?

 

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