Ikaria

mein herz bunziert
mein hirn versiegelt
mein körper verlötet
durch wachs und kolben
deiner animafaktur

hast schwingen mir und federn
aufgepfropft
nun lass uns abheben
uns uns selber überraschen
den morgen uns erröten lassen

lass uns uns alles geben, was
dem andern immer schon gehörte:
luft, freiheit,
unser ich

so standst du vor mir
im wogen eines leibermeers
hab dich gefischt, gezogen
an meines landes küste
du bist der lohn der mühen
eines täglich selbsts

komm, lass uns fliegen
der sonne viel zu nahe
die unser flügelwachs
nicht schmilzt zu dunklen tropfen
die unser federkleid
nicht reißt aus
haut und bett und bindung
die unsren aufstieg nicht
beschweren wird wie blei
sondern ihr leuchten
in dein auge legt
während du unter mir
in bodenloses fallen sinkst
bevor sanftweiße wellenkronen
auf dich prallen und dich
weiterziehn in fremdes, unbenanntes land

ich bleib indes zurück am himmel
stets dich suchend
hier.

 

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umbruch

wann bist das letzte mal du kopf gestanden?
hast deinen lebensbaum gepurzelt?
wurdest zum radritter du geschlagen,
der schwindelförmig sich im kreis rotiert?

wann hast das letzte mal du luft geblasen
per strohhalm mitten in den eiskaffe?
hast zwischen zehen erde du geschichtet?
bist wasser gerutscht, mutig den kopf voran?

wann bist das letzte mal du regenschirm gesprungen?
hast bunt die herbstblätter zerwerkt?
wann hast das letzte mal du schnee gekugelt?
und winterweiß die engerlschar beschwingt?

wann, glaubst du, kehren diese dinge wieder
wenn du nicht selbst die sanduhr kippst?
der tod legt keine sense nieder
und wartet, bis du fertig wippst.

 

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alles eins

seifenblasenschliere
regenbogenfarben

warum zieht an uns
immer nur das außen?

steige kometengleich
bis an den himmelsrand

warum zieht in uns
immer nur, was trennt?

hol, kugel, dir
freiheit, höhe

warum ziehen vor wir
grenzen, fluren, wege?

bevor zerfetzt
durch eine prise wind

ohne zu sehn, dass
innen wie außen ident

 

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hinterwald

gegen süden ziehen
unsre gedanken
die weite suchen wir
in der entflucht
aus kälte und nässe
dieses wintertums

halt die ohren steif
sagt sie und niest
in ihr rotzkaltes nebeltuch

 

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#frapalymo Nr. 6, mal wieder etwas verspätet. Nichtsdestotrotz: Dank der Impulsgeberin! Heute übrigens zum Tweet: „herbstlicht auf den dächern / schatten werden länger / in der brust vogelschwärme*“

 

 

durchdrungen

sturm beschworen
front geklärt
fahne gehisst
grenze gesteckt

kraft isoliert
gewalt getrennt
macht gespalten
ende gesetzt

kern erforscht
kante geschlagen
kontur geformt
wellen getürmt

sie brechen am strand
während der wind
weiter treibt

 

Input: #frapalymo Nr. 6 – Ein Bild diesmal 🙂

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gesichterung

umgebschaft
vergangenung
erkenntheit
möglichnis
freundsal
schickkeit

erkenntkeit
vergangenschaft
möglichheit
freundnis
umgebsal
schickung

umgebung
freundschaft
erkenntnis
vergangenheit
möglichkeit
schicksal

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Mein #frapalymo Nr 4 auf das Impulswort „Substantiv“. Herzlichen Dank, Frau Paulchen!