befreiung

hab mich verliebt
nicht in
was du bist
sondern in
was du sein könntest
wenn du an meiner seite wärst.

aber du
willst gar nicht
an meiner seite sein
und weißt du was?
das ist gut

denn
wenn du an meiner seite wärst
wüssten wir beide
wer wir sind
ohne zu wissen
was wir sein könnten
in den verliebten augen des anderen.

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irrlichter

wir kleine lichtkegel
gegen die großen straßenlaternen
die des nachts die wege erhellen
und in der ferne
knallen feuerwerkskörper
gegen die sterne
dort oben

wir zittrige glühfäden
gegen das röhren der leuchtstoffleisten
treffen einen nachbarsschatten
nach spektralfarbenanalyse
wabert er zähflüssig (und laut schimpfend)
außer hörweite

du sparflamme
kannst nichts sehen
bist geblendet vom handydisplay

und in der ferne
überschüttet die flutlichtanlage
mich mit vorwürfen

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absatzmarkt

hab mir blasen gelaufen
beim majestätsstechschritt üben
(Mehr Hüfte, Baby, Hüfte!!)

ich könnte jetzt
über high heels
als sockel des machismus
diskutieren
oder darüber
dass man zu mir aufschauen kann
auch wenn ich
flache schuhe trage

fakt ist: fickt euch!
ich ergeh mir
meine welt
in sneakers.

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sakrosankt

steh auf er ich
und halt nicht fest
den heiligen im licht
des ostermorgens

wasche meine füße
nicht in reue
mein haupt
nicht in asche
meine hände
nicht in unschuld

die krone deiner schöpfung
treibt dornen in mein fleisch

sei hier
und nagle mich an kreuze
um immerzu
mich anzubeten

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mein manifest

ich
kippe in mich
lass mich auf mich ein
gehe in mir
weite wege

höre mir zu
achtsam und offen
tauch in mich ein
schwinge, töne

halt mich an mir fest
stärke von innen
rückgrat gerichtet
zwischen himmel und halt

in meiner mitte
vollkommene ruhe
zu mir gekehrt
finde ich frieden

und aus dem heraus
aus diesem fokus
wird mehr kraft mir zuteil
als je mir gegeben

ich
bleibe bei mir
mein wille mein weg
in dankbarkeit gegenüber
dem leben

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faites vos jeux

ich will von dir
deine möglich-
und deine unmöglichkeiten
deinen willen
und deinen unwillen
deinen kontakt
und deinen abstand
deine ideen
und deine zweifel
deine freiheit
und deine zwänge
deine heimat
und deine verlorenheit

ich geb dir dafür
mein vermögen
und mein unvermögen
meine selbstständig-
und meine hilflosigkeit
meine berechnung
und mein chaos
meinen verstand
und meinen instinkt
meine hoffnung
und meine trauer
meinen mut
und meine unzumutbarkeit

und irgendwo dazwischen
sind wir dann.

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In dunklen Zeiten

(basierend auf Paul Celan: Eine Gauner- und Ganovenweise…)

Damals, als es noch Scheiterhaufen gab,
da, nicht wahr, gab es
Hexen.

Damals, als es noch Fallbeile gab,
da, nicht war, gab es
Verschwörer.

Und damals, als es Exekutionen gab,
da, nicht wahr, gab es
Faschisten.

Damals, als es Atombomben gab,
da, nicht wahr, gab es
Krieg.

Doch heute,
nicht wahr,
heute
ist alles anders.

 

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