Ikaria

mein herz bunziert
mein hirn versiegelt
mein körper verlötet
durch wachs und kolben
deiner animafaktur

hast schwingen mir und federn
aufgepfropft
nun lass uns abheben
uns uns selber überraschen
den morgen uns erröten lassen

lass uns uns alles geben, was
dem andern immer schon gehörte:
luft, freiheit,
unser ich

so standst du vor mir
im wogen eines leibermeers
hab dich gefischt, gezogen
an meines landes küste
du bist der lohn der mühen
eines täglich selbsts

komm, lass uns fliegen
der sonne viel zu nahe
die unser flügelwachs
nicht schmilzt zu dunklen tropfen
die unser federkleid
nicht reißt aus
haut und bett und bindung
die unsren aufstieg nicht
beschweren wird wie blei
sondern ihr leuchten
in dein auge legt
während du unter mir
in bodenloses fallen sinkst
bevor sanftweiße wellenkronen
auf dich prallen und dich
weiterziehn in fremdes, unbenanntes land

ich bleib indes zurück am himmel
stets dich suchend
hier.

 

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undicht/entmisch

welch strömung treibt uns
auseinander?

wir müssen achten,
dass wir nicht zerschwappt,
zergießen und zerlaufen uns
in der gezeiten drift

wir müssen unsren sog
mit füßen treten
müssen rühren, binden,
lösen ineinander uns
dass niemand kann entmischen
was wir uns lang zuvor vermengt

wir müssen wehren
dass kraftwerke
nicht strom erzeugen gegen uns
wir müssen schwimmen, wogen
stets oberwasser bleiben
müssen schwimmen, kämpfen
müssen kämpfen
müssen

und niemand kann
unsre see ausmachen
das meer
in dem
wir bluten

 

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glücksmoment I

am asphalt
den gleichklang von schritten
die seite des andren an deiner
spüren

im gespräch
die wellen des andren spiegeln
nase an nase ins geteilte geheimnis
tauchen

sich zwischen grashalm und kälte
unter die nebeldecke
des gnadenlos sanften herbsts
kuscheln

oder am himmel
den nahen abend verlachend
mit rabenschwingen die rosablautöne
auftragen

im licht von millionen sternen
sich des nachts
gewärmt nur vom blech der motorhaube
sonnen

eine sternschnuppe sehen
gleißend zu boden gehen
dir einen wunsch freistellend
doch du
weißt keinen mehr

 

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Froschkönigin

Hast endlich mich
erlöst aus meinem Fluch,
mich beinhart
an die Wand gefickt
ins Bett genagelt
mir meine Froschhaut abgevögelt.

Bin endlich wieder Herrscherin
im eignen Körperkönigreich
nach jahrelangem Abtauchen
auf Gründe dunkler Brunnen
dort zu erfummeln
fremder Prinzen Goldeier.

Hab keine Angst, ich
beschmutze schon nicht
–  plitsch platsch –
deinen Hausstand.

Meine Zunge wird nicht an deiner kleben
mein Finger sich nicht festsaugen an dir
und keine Schwimmhäute spannen sich
zwischen den gespreizten Schenkeln.

Bin endlich wieder frei
zu kommen
und zu gehen wie ich will.

Heinrich, fahr den Wagen vor –
Wir ziehen aus,
Herzen zu sprengen!

 

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druckmassage am offenen herzen

mit beiden händen
greifst du in mich
schiebst rippen
käfigstäbe auseinander
weitest den brustkorb
wühlst hinab
hältst mein pulsierend zentrum
bändernd adernd
fest im griff
durchpumpst
durch zuckung deiner fingerkuppen nur
solange mich mit leben bis
dein takt dein maß dein metrum
deutlich pochend spürbar
auch im entferntesten extrem

dann legst behutsam zärtlich fast
du meine innerei
in vorgeformter höhlen
angestammten platz zurück
am dem sie weiter vor sich hin sie tanzt
ziehst deine hand dein werkzeug
aus meiner körperöffnung ab
nähst zu mich kreuzstichweise
desinfizierst und reinigst noch die narbe
die äußerlich auf ewig offensichtbart
dass du da in mir drin gewesen
dass du da in mir drin verweilst
hoffst bloß – wie ich –
dass schadlos es verheilt

und übrig bleibt
ein schlagend herz
das weiß was ursprung
seines rhythmus

 

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