innehalt

heut schon die abendluft gesogen,
tief in deine nüstern?
heut schon die mondsichel gebogen?
horch, hörst du sie flüstern?

heut schon den wind still gehaucht,
behutsam und leise?
heut schon ins abendrot getaucht,
vollkommenerweise?

heut schon den neuanfang geschmeckt
in den farben des morgens?
die tafel der sehnsucht ist gedeckt,
darfst gestern entsorgen.

entfalte die schwingen, seele, komm,
entstaub dein gefieder,
zu fliegen – die zeit dazu, sie kommt,
sie kehrt endlich wieder!

 

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schwimmstunde

ich kraule gleichschlägig in deinem becken
du köpfelst mundüber in mein bassin
ich hechte in deinen lagenwechsel
du tauchst in meine bahn
ich schlage an
du wogst hoch
ich bugwelle
du spritzwasser
ich ströme
du stöhnst

dann sinken wir gemeinsam

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Etwas Ähnliches

Seh‘ die Anknüpfpunkte,
deine losen Enden,
immer erst zu spät.

So viel Faser,
so viel Stoff
so viel Gewebe, Flechtwerk und Filz
zwischen uns
geballt,
watteweich
und undurchdringlich.

So wenig Vertrauen
in dein Seemannsgarn,
so wenig Balance
in deinem Drahtseilakt,
so wenig Hoffnung
auf einen Rettungsgurt.

Wirf mir noch einmal
deinen Ariadnefaden zu.
Jetzt erst erkenn ich darin
die Reißleine.

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lernprozess

du fragst mich
ob es
gescheit war von mir
dich
zu kontaktieren

sicher nicht

sicher ist es ratsamer
einander in die wüste zu schicken
sicher ist es einfacher
allein

aber gelernt haben wir
daraus dann nichts

und müssen uns weiterhin
bei jedem schritt fragen
ob es denn gescheit ist
was wir tun

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