flugrost

ich werde nicht
den mond anbeten
ich werde nicht zur
verfügung stehen dir
ich werde nicht flugrost ansetzen
mich überhauchend patina
wie ein entstaubtes elend
aus vergangner zeit

ich werde nicht
die tage zählen
die stätten stürmen
die wir gemeinsam ergingen
uns erfuhren in der
kleinstadt einer
landflucht

ich werde nicht die zeiten zähmen
nicht des uhrturms
schatten werfen
werd nicht dich fehlen lassen mir

werd links und rechts
dich liegen lassen
du bordsteinschwalbe
wegwarten beifußblatt
in meines grünen lebens tee

mit schwarz und weißem kraut
werd ansetzen ich mich
zu durchstehen unsren warteraum
zu anbeten das gewichtsmaß einer weile

und schließlich ziehen lassen dich.

 

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re: alität

re:
alität

die schotten dicht
mein brett vorm kopf
meine mauer vorm fenster
statt weit blick front
blanken nichts
fassade mit bröckelnden rissen
und bröselndem verputz
aufgetragen anzuprangern
wie standfest und lotrecht
das mauerwerk dahinter

das tote sichtfeld
geflissentlich belebt
mit efeubepflanz
und vögelgeflöt
und grillengezirp
sulend im satten abendrot
einer sonne
die lang schon
außer sichtweite rotiert

bricht wirklichkeit durch
zu starren
betongrau gefasste augen
müde stets aufs neue
solidität mir einzuprügeln
den ziegelstein in der hand
jeder aufprall
ein blutunterlauf mehr

nicht ihr vorzuwerfen
nur ich bins leid
dass meine sehnsucht
mich spaziernfotzt

in meinem rücken
die tür in den garten
steht offen seit jahren
doch ich hab augen nur gehabt

für dich

 

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heroin, she said

(Dieser Text entstand im Rahmen der Schreibgruppe „Die Dienstagsschreiber“ im Wiener read!!ingroom, impulsgebend der Songtitel „heroin, she said“ von Wolfsheim.)

heroin, she said,
my heroine

du bist, sagt sie, die droge, die
die aderlos in mir pulsiert
mich durchzieht, ohne blutbahn, ohne tunnel,
pupille, die geweitet nach dem schuss, jedoch nur sieht
was sie sich selbst hat auferlegt, sich projiziert,
auf sich wirft, vorwirft
ohne einhalt ohne halt und ohne  —

hunger, tiefer hunger, durst, und lust
verlangen, tiefe sehnsucht, leer, ein loch
gefüllt mit nichts, schwarzer vergängnis,
ein jenseits ohne seitenwechsel, ohne pannenstreifen, ohne  —

mich stechen, stecken dich, dich tief verstecken unter meiner haut,
in mir drin, in dir drin zartgeschmolznes gold,
mit dir zu füllen meine leere, meine sehnsucht, mein ge-such
kann jederzeit damit aufhören, kann stoppen, kann es finden, kann
aufhören damit, kann jederzeit, ich kann jederzeit, jederzeit kann ich

dabei, sagt sie, möchte ich doch nur schlafen, schlafen, sleep somehow
die augen schließen, doch durch die lider dringt das licht,
bringt wieder sie zum aufgehn, öffnen, durchlässig, wie haut so blass,
der schicht, unter der die adern leicht erheben sich, ader-
lass gut sein, lass nur gut sein, arm,
abgebunden, abgenabelt, abgekehrt hab ich mich, hast du dich, hat sie sich, diese welt

abgebunden auf der suche,
nach dem blau der venen, blau der streifen,
doch das UV, das Licht, macht suchen zwecklos, findet nicht
den weg, passagen in sich selbst,
und weiter pumpt die sehnsucht durch den körper.

weiß niemand, frage ich, deiner sippe, deiner gruppe, deiner leute
dass du verlassen hast sie in der sucht nach dir,
im ständigem verlangen nach der lösung, nach auflösung
in der stimmung, dort und hier, im jetzt, im nirgendwo, im überall
weiß niemand, was dir fehlt, dir hilft, dich bindet?
was du brauchst?

heroin she said,
just heroin

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In dunklen Zeiten

(basierend auf Paul Celan: Eine Gauner- und Ganovenweise…)

Damals, als es noch Scheiterhaufen gab,
da, nicht wahr, gab es
Hexen.

Damals, als es noch Fallbeile gab,
da, nicht war, gab es
Verschwörer.

Und damals, als es Exekutionen gab,
da, nicht wahr, gab es
Faschisten.

Damals, als es Atombomben gab,
da, nicht wahr, gab es
Krieg.

Doch heute,
nicht wahr,
heute
ist alles anders.

 

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