geburt

die enge des kanals
der weite folgt
des schwimmens
bar jeglicher nacktheit
in wasser gehüllt
plötzlich ein wehen
zieht presst drängt
aus einer mutter.becken

nur durch geburt
wird man so fremd
im eignen land

wird kalt, kahl, künstlich
der natürlichkeit ent.ronnen
bleibt ewig auf der suche
nach warmfeuchtem puls
rotschlierigem belicht
und wässrigem geschmack
zwischen den lidern

der lunge entfaltung
mündert doch nur
im ersten schrei

die kälte eines diesseits
lässt zittern uns vorm sterben
weil einmal schon der transfer
gelähmt ent.setzt uns hat
so ent.raum.atisieren wir
von ende bis anfang
genährt von der erinnerung
an liebe irgendwo

doch wirklichkeit macht meist
nur einen spalt
die beine breit

 

Dieser Beitrag entstand ausgehend von dem Impulswort „Anfang“ im Rahmen des projekt*.txt. Mit lieben Grüßen! 😉

 
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Ikaria

mein herz bunziert
mein hirn versiegelt
mein körper verlötet
durch wachs und kolben
deiner animafaktur

hast schwingen mir und federn
aufgepfropft
nun lass uns abheben
uns uns selber überraschen
den morgen uns erröten lassen

lass uns uns alles geben, was
dem andern immer schon gehörte:
luft, freiheit,
unser ich

so standst du vor mir
im wogen eines leibermeers
hab dich gefischt, gezogen
an meines landes küste
du bist der lohn der mühen
eines täglich selbsts

komm, lass uns fliegen
der sonne viel zu nahe
die unser flügelwachs
nicht schmilzt zu dunklen tropfen
die unser federkleid
nicht reißt aus
haut und bett und bindung
die unsren aufstieg nicht
beschweren wird wie blei
sondern ihr leuchten
in dein auge legt
während du unter mir
in bodenloses fallen sinkst
bevor sanftweiße wellenkronen
auf dich prallen und dich
weiterziehn in fremdes, unbenanntes land

ich bleib indes zurück am himmel
stets dich suchend
hier.

 

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umbruch

wann bist das letzte mal du kopf gestanden?
hast deinen lebensbaum gepurzelt?
wurdest zum radritter du geschlagen,
der schwindelförmig sich im kreis rotiert?

wann hast das letzte mal du luft geblasen
per strohhalm mitten in den eiskaffe?
hast zwischen zehen erde du geschichtet?
bist wasser gerutscht, mutig den kopf voran?

wann bist das letzte mal du regenschirm gesprungen?
hast bunt die herbstblätter zerwerkt?
wann hast das letzte mal du schnee gekugelt?
und winterweiß die engerlschar beschwingt?

wann, glaubst du, kehren diese dinge wieder
wenn du nicht selbst die sanduhr kippst?
der tod legt keine sense nieder
und wartet, bis du fertig wippst.

 

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glücksmoment I

am asphalt
den gleichklang von schritten
die seite des andren an deiner
spüren

im gespräch
die wellen des andren spiegeln
nase an nase ins geteilte geheimnis
tauchen

sich zwischen grashalm und kälte
unter die nebeldecke
des gnadenlos sanften herbsts
kuscheln

oder am himmel
den nahen abend verlachend
mit rabenschwingen die rosablautöne
auftragen

im licht von millionen sternen
sich des nachts
gewärmt nur vom blech der motorhaube
sonnen

eine sternschnuppe sehen
gleißend zu boden gehen
dir einen wunsch freistellend
doch du
weißt keinen mehr

 

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Froschkönigin

Hast endlich mich
erlöst aus meinem Fluch,
mich beinhart
an die Wand gefickt
ins Bett genagelt
mir meine Froschhaut abgevögelt.

Bin endlich wieder Herrscherin
im eignen Körperkönigreich
nach jahrelangem Abtauchen
auf Gründe dunkler Brunnen
dort zu erfummeln
fremder Prinzen Goldeier.

Hab keine Angst, ich
beschmutze schon nicht
–  plitsch platsch –
deinen Hausstand.

Meine Zunge wird nicht an deiner kleben
mein Finger sich nicht festsaugen an dir
und keine Schwimmhäute spannen sich
zwischen den gespreizten Schenkeln.

Bin endlich wieder frei
zu kommen
und zu gehen wie ich will.

Heinrich, fahr den Wagen vor –
Wir ziehen aus,
Herzen zu sprengen!

 

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großmogul

 

ketten aus frauen flechten,
die um deinen hals sich hängen,
zur verschleierung
dass du noch nicht gefunden
deinen selbstinhalt

dazu zu dienen
bin ich mir zu schade
strahle an niemandes brusthaar
in niemandes gürtung
als niemandes kronjuwel

in meiner fassung
unter meinem schliff
hüte ich meine einschlüsse
und breche das licht
nach meinen facetten
werfe meine farben auf die welt
in buntheit sie zu kleiden
ehe in abertausend jahren
vielleicht blind ich werde

du jedoch
sollst mir gestohlen bleiben

 

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