Froschkönigin

Hast endlich mich
erlöst aus meinem Fluch,
mich beinhart
an die Wand gefickt
ins Bett genagelt
mir meine Froschhaut abgevögelt.

Bin endlich wieder Herrscherin
im eignen Körperkönigreich
nach jahrelangem Abtauchen
auf Gründe dunkler Brunnen
dort zu erfummeln
fremder Prinzen Goldeier.

Hab keine Angst, ich
beschmutze schon nicht
–  plitsch platsch –
deinen Hausstand.

Meine Zunge wird nicht an deiner kleben
mein Finger sich nicht festsaugen an dir
und keine Schwimmhäute spannen sich
zwischen den gespreizten Schenkeln.

Bin endlich wieder frei
zu kommen
und zu gehen wie ich will.

Heinrich, fahr den Wagen vor –
Wir ziehen aus,
Herzen zu sprengen!

 

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großmogul

 

ketten aus frauen flechten,
die um deinen hals sich hängen,
zur verschleierung
dass du noch nicht gefunden
deinen selbstinhalt

dazu zu dienen
bin ich mir zu schade
strahle an niemandes brusthaar
in niemandes gürtung
als niemandes kronjuwel

in meiner fassung
unter meinem schliff
hüte ich meine einschlüsse
und breche das licht
nach meinen facetten
werfe meine farben auf die welt
in buntheit sie zu kleiden
ehe in abertausend jahren
vielleicht blind ich werde

du jedoch
sollst mir gestohlen bleiben

 

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verliebt ins verleben

haben das
haltbarkeitsdatum überschritten
fall um fall
und
fällig sind wir

bist näher als regen gerückt
auf meiner haut
bist tropfnass verdampft
in meinen adern
hast die nacht aufgetaut
aufgestaut aufgebaut
tief in mir drin

werd dich mir entwöhnen
dich mir entziehen
uns entflechten
uns entlieben
und anderweitig vergeben
mich

 

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deeskalieren

komm einfach mal zur türe rein
[bad küche zimmer klo
bett couch tisch sessel lampe]
man kann so leicht sich eine heimat bauen
sobald den fuß man aus dem türspalt klemmt
ihn über eine türschwelle zu tragen

komm einfach mal zum fenster rein
zu giebel dachfirst fundament
sedimentier und diffundiere durch die wände
durch enden die doch du dir selbst nur setzt

lass los das treppenhaus samt handlauf
der stufen, die seit jahren dir skaliern
wo gut und böse himmel hölle oben unten
komm nicht darüber
nicht darunter
komm zu dir

die weite welt hat ebenen genug

 

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innehalt

heut schon die abendluft gesogen,
tief in deine nüstern?
heut schon die mondsichel gebogen?
horch, hörst du sie flüstern?

heut schon den wind still gehaucht,
behutsam und leise?
heut schon ins abendrot getaucht,
vollkommenerweise?

heut schon den neuanfang geschmeckt
in den farben des morgens?
die tafel der sehnsucht ist gedeckt,
darfst gestern entsorgen.

entfalte die schwingen, seele, komm,
entstaub dein gefieder,
zu fliegen – die zeit dazu, sie kommt,
sie kehrt endlich wieder!

 

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über leben

in wucherungen
wenn der platz nach außen fehlt
überleben wir uns
die grenzposten der eignen dimension erreicht
beginnt das innerliche überwachsen
mit der zeit

selbst krebs is körpereigen fleisch
und blut und zellsubstanz des eignen organismus‘
doch wir falln in uns ein
wie todfeindliches gebiet
gestalten nach und nach
zu fremdkörpern uns aus

gestatten, welt
lern kennen, was mich aus macht
erforsche meine tiefen
will weniger oft mehr
dies ist meine hand
willst du sie schütteln
dies ist mein herz
willst du es schlagen
hören und sehen
bis es vergeht

gibt es hernach denn
doch
ein über leben?

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