großmogul

 

ketten aus frauen flechten,
die um deinen hals sich hängen,
zur verschleierung
dass du noch nicht gefunden
deinen selbstinhalt

dazu zu dienen
bin ich mir zu schade
strahle an niemandes brusthaar
in niemandes gürtung
als niemandes kronjuwel

in meiner fassung
unter meinem schliff
hüte ich meine einschlüsse
und breche das licht
nach meinen facetten
werfe meine farben auf die welt
in buntheit sie zu kleiden
ehe in abertausend jahren
vielleicht blind ich werde

du jedoch
sollst mir gestohlen bleiben

 

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ahnenkult

mein damenbart
wurde vermacht mir
von der oma

stark, widerspenstig, unangepasst
mein einzig erbstück und
so ganz und gar nicht (haut)bild
pflegeleichter weiblichkeit

alle paar tage die härchen einzeln auszuzupfen –
schmerzhafte testamentsvollstreckung
und liebevolles in-memoriam
gleichermaßen

 

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deeskalieren

komm einfach mal zur türe rein
[bad küche zimmer klo
bett couch tisch sessel lampe]
man kann so leicht sich eine heimat bauen
sobald den fuß man aus dem türspalt klemmt
ihn über eine türschwelle zu tragen

komm einfach mal zum fenster rein
zu giebel dachfirst fundament
sedimentier und diffundiere durch die wände
durch enden die doch du dir selbst nur setzt

lass los das treppenhaus samt handlauf
der stufen, die seit jahren dir skaliern
wo gut und böse himmel hölle oben unten
komm nicht darüber
nicht darunter
komm zu dir

die weite welt hat ebenen genug

 

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innehalt

heut schon die abendluft gesogen,
tief in deine nüstern?
heut schon die mondsichel gebogen?
horch, hörst du sie flüstern?

heut schon den wind still gehaucht,
behutsam und leise?
heut schon ins abendrot getaucht,
vollkommenerweise?

heut schon den neuanfang geschmeckt
in den farben des morgens?
die tafel der sehnsucht ist gedeckt,
darfst gestern entsorgen.

entfalte die schwingen, seele, komm,
entstaub dein gefieder,
zu fliegen – die zeit dazu, sie kommt,
sie kehrt endlich wieder!

 

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lernpensum

in aller offenheit
unverschleiert
unverhohlen
zu sagen
mein wille

in aller ehrlichkeit
unverhalten
unverletzt
zu klären
mein bedürfnis

in aller direktheit
unumschnörkselt
unerwartet
zu fordern
meine grenze

in aller neugier
unvermittelt
unbekannt
zu fragen
mein forschen

in aller leidenschaft
ungebremst
unbestreitbar
zu erfühlen
mein sinn

in aller liebe
unbezwingbar
unendlich
zu leben
mein hier und jetzt

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mein manifest

ich
kippe in mich
lass mich auf mich ein
gehe in mir
weite wege

höre mir zu
achtsam und offen
tauch in mich ein
schwinge, töne

halt mich an mir fest
stärke von innen
rückgrat gerichtet
zwischen himmel und halt

in meiner mitte
vollkommene ruhe
zu mir gekehrt
finde ich frieden

und aus dem heraus
aus diesem fokus
wird mehr kraft mir zuteil
als je mir gegeben

ich
bleibe bei mir
mein wille mein weg
in dankbarkeit gegenüber
dem leben

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