undicht/entmisch

welch strömung treibt uns
auseinander?

wir müssen achten,
dass wir nicht zerschwappt,
zergießen und zerlaufen uns
in der gezeiten drift

wir müssen unsren sog
mit füßen treten
müssen rühren, binden,
lösen ineinander uns
dass niemand kann entmischen
was wir uns lang zuvor vermengt

wir müssen wehren
dass kraftwerke
nicht strom erzeugen gegen uns
wir müssen schwimmen, wogen
stets oberwasser bleiben
müssen schwimmen, kämpfen
müssen kämpfen
müssen

und niemand kann
unsre see ausmachen
das meer
in dem
wir bluten

 

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hinterwald

gegen süden ziehen
unsre gedanken
die weite suchen wir
in der entflucht
aus kälte und nässe
dieses wintertums

halt die ohren steif
sagt sie und niest
in ihr rotzkaltes nebeltuch

 

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#frapalymo Nr. 6, mal wieder etwas verspätet. Nichtsdestotrotz: Dank der Impulsgeberin! Heute übrigens zum Tweet: „herbstlicht auf den dächern / schatten werden länger / in der brust vogelschwärme*“

 

 

durchdrungen

sturm beschworen
front geklärt
fahne gehisst
grenze gesteckt

kraft isoliert
gewalt getrennt
macht gespalten
ende gesetzt

kern erforscht
kante geschlagen
kontur geformt
wellen getürmt

sie brechen am strand
während der wind
weiter treibt

 

Input: #frapalymo Nr. 6 – Ein Bild diesmal 🙂

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gesichterung

umgebschaft
vergangenung
erkenntheit
möglichnis
freundsal
schickkeit

erkenntkeit
vergangenschaft
möglichheit
freundnis
umgebsal
schickung

umgebung
freundschaft
erkenntnis
vergangenheit
möglichkeit
schicksal

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Mein #frapalymo Nr 4 auf das Impulswort „Substantiv“. Herzlichen Dank, Frau Paulchen!

radikal subjektiv

Dieser Text entstand im Zuge des #frapalymo Nr 2. auf das Impulswort „Gespinst“. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Paulchen für diese grenzgenialen Inputs!

 

Was wäre, wenn die Fliege …

… tief in der Spinne Netz geschmiegt
das Glitzern des Gespinsts um sie
nichts anders als bestaunt,

… die Zärtlichkeit der Schlingen
die Seidenheit des Stoffes
nichts anders als berühmt,

… voll Ehrfurcht und vor Wolllust
dies filigran Gewebe
enger sich selbst um legt,
näher sich selbst an zieht,
sich somit dem Schicksal
selbst zu fügt?

Was wäre, wenn der Fliege
das Flechtwerk ihrer Falle
nicht Sarg, sondern Gewandung,
nur Decke, Schutz und Mantel –
Kokon – schlussendlich ist

für die eine Metamorphose mehr?

 

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niederkommen

ich zähle
die regentropfen an den zweigen
sie zeigen auf
den weg hinab

ich lese
die blattgerippe an den ästen
sie weisen unter
und uns hinüber

ich deute
die spiegelseen auf dem boden
sie legen offen
was über all:

im nebelgrauen decrescendo
sinkt zu und unter erde
unser hier und nun.
um vor dem wiederauftun
vor dem wiedergrünen
vor dem wiederkommen
zu ruhn.

 

#frapalymo

#frapalymo Nr1

 

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glücksmoment I

am asphalt
den gleichklang von schritten
die seite des andren an deiner
spüren

im gespräch
die wellen des andren spiegeln
nase an nase ins geteilte geheimnis
tauchen

sich zwischen grashalm und kälte
unter die nebeldecke
des gnadenlos sanften herbsts
kuscheln

oder am himmel
den nahen abend verlachend
mit rabenschwingen die rosablautöne
auftragen

im licht von millionen sternen
sich des nachts
gewärmt nur vom blech der motorhaube
sonnen

eine sternschnuppe sehen
gleißend zu boden gehen
dir einen wunsch freistellend
doch du
weißt keinen mehr

 

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monochromregenbogen

lass gehen uns gemeinsam
über das firmament des nachts
lass pflücken uns sterne
zu einem bunten strauß
vom milchstraßenrand

und im dunkel des mondlichts
lass uns uns drehen
bis uns schwindelt
vor unendlichkeit

lass streuen uns
Weiterlesen „monochromregenbogen“

wut macht ängste

ich hätte über die zeit
um ernstgenommen zu werden
einen schwanz mir wachsen lassen müssen

ich hätte über die zeit
um respektiert zu werden
meine fähigkeit zu gebären ablegen müssen

ich hätte über die zeit
um wertgeschätzt zu werden
den schulterschluss eurer bruderschaft üben müssen

aber dann hätt ich auch
eure kleinkariertheit imitieren
eure machtgeilheit übernehmen
und mir eure angst vor veränderung aneignen müssen

und damit
geht ihr mir
gehörig auf die eier

 

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